Baumwolle: Bio & fair vom Feld bis zum T-Shirt

Im Jahr 2002 kam in Indien erstmals gentechnisch verändertes Baumwollsaatgut auf den Markt. Es verspricht Schutz gegen den gefürchteten Baumwollkapselbohrer. Zunächst sieht alles nach einer Erfolgsstory aus: weniger Pestizideinsatz bei gleichzeitig höheren Erträgen. Bereits nach wenigen Jahren treten negative Begleiterscheinungen auf. Bioanbau wäre eine Alternative. Aber es gibt kaum GVO-freie Sorten. Die traditionelle Züchtung wurde vernachlässigt und muss erst wieder aufgebaut werden. Seit 2011 leitet FiBL-Mitarbeiterin Monika Messmer Züchtungsprojekte in Indien. Im Video schildert sie die wechselvolle Geschichte des Biobaumwollanbaus in Indien.



Das Video entstand im Rahmen der Sonderveranstaltung „Grüner Faden“ am Vielfaltsmarkt „1001 Gemüse und Co.“ in Rheinau. Realisation: Thomas Alföldi, FiBL

Der Baumwollkapselbohrer durchbricht nach wenigen Jahren die GVO-Resistenz. Zudem treten weitere Schädlinge auf. So können die Bauern keine Pflanzenschutzmittel mehr einsparen. Das GVO-Saatgut benötigt ausserdem viel Dünger und Wasser, um wirklich gute Erträge zu liefern. Es kommt immer häufiger zu Ertragsausfällen, während die Produktionskosten stetig steigen. Als Folge davon sind die Bauern oft aussichtslos verschuldet. Sie müssen Pestizide ausbringen, die in Europa längst verboten sind. Krebs, schweren Allergien und Atemwegserkrankungen sind die Folge. Weitere Nachteile des konventionellen, intensiven Baumwollanbaus sind ausgelaugte und versalzene Ackerböden, verseuchtes Trinkwasser und ausgetrocknete Brunnen.

Die Züchtung und Vermehrung von traditionellen Baumwollsorten wurde stark vernachlässigt. Trotz steigender Nachfrage nach Biobaumwolle wenden sich viele indische Kleinbauern vom Bioanbau ab, da sie kaum noch GVO-freies Saatgut finden. Im Jahr 2011 startet das FiBL mit Züchtungs- und Vermehrungsprojekte, um hochwertige und lokal angepasste Sorten zur Verfügung zu stellen. Das Saatgut soll nicht nur eine hohe Toleranz gegen Insekten besitzen und wenig Nährstoffe und Wasser benötigen, sondern auch die Ansprüche der Textilindustrie an die Faserqualität erfüllen.

Die FiBL-Biobaumwollprojekte sind gefördert durch: Stiftung Mercator Schweiz, Coop Fonds für Nachhaltigkeit, C & A-Stiftung, bioRe-Stiftung, Stiftung Corymbo, Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA, Biovision, Liechtensteinischer Entwicklungsdienst LED und Europe Aid.